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Jahresthema

Die Bildungsarbeit des Weltladens Unterwegs hat jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt.

 

Jahresthema 2018 ist Fußball

Fußball ist weltweit einer der beliebtesten, wenn nicht sogar die beliebteste Sportart. Wenn in diesem Jahr die FIFA-Fußballweltmeisterschaft in Russland stattfinden wird, werden viele Millionen (wenn nicht Milliarden) Menschen weltweit die Spiele verfolgen. Daher wird der Weltladen Unterwegs sich schwerpunktmäßig mit der Ballsportart auseinandersetzen, bei der zwei Mannschaften mit dem Ziel gegeneinander antreten, mehr Tore als der Gegner zu erzielen.

 

Einerseits bietet Fußball eine ideale Gelegenheit, (junge) Menschen zu erreichen und in ihrer Entwicklung zu fördern: Als Teamsport verbindet er Menschen unterschiedlicher Kulturen, fördert das gegenseitige Verständnis und stärkt soziale Kompetenzen. Der Sport lehrt Strategien der friedlichen Auseinandersetzung, schult die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen und formt die Persönlichkeit. Fußball vermittelt Fairness und Toleranz und braucht grundsätzlich keine aufwendige und teure Ausrüstung. Die Sportart ist daher ideal geeignet, auf spielerische Weise Werte zu transportieren und Jugendlichen Denkanstöße zu geben, damit sie Perspektiven für ihr Leben entwickeln. In vielen Konfliktregionen ist die Begeisterung für den Fußball daher auch ein Anreiz für die Auseinandersetzung mit globalen Überlebensthemen wie Hunger, Armut oder Krankheiten. Immer mehr Projekte setzen auf diese Verknüpfung. So rettet der Fußball indirekt Menschenleben, weil junge Frauen und Männer über den Fußball Zugang zu sozialen Einrichtungen finden und dort z.B. über gesundheitliche Schutzmechanismen (HIV/Aids) erfahren.

Andererseits ist Fußball ein riesiges Geschäft: Er bewegt nicht nur Milliarden Menschen, sondern auch Milliarden Euro. So hat zum Beispiel Brasilien nach Schätzungen etwa elf Milliarden Euro in die Fußballweltmeisterschaft 2014 investiert; sie ist damit bisher die teuerste WM aller Zeiten. Der Veranstalter, die FIFA, verdiente an der WM in Brasilien über drei Milliarden Euro, den Großteil durch den Verkauf von TV-Rechten. Sponsoren investierten Milliarden in das globale Großereignis und auch der weltweite Werbemarkt wurde mit riesigen Geldsummen aufgepumpt. Von diesen riesigen Beträgen hat allerdings ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung nicht profitiert; ganz im Gegenteil: Zwangsumsiedlung, explodierende Mietpreise, Vertreibung von Kleinhändlern und Obdachlosen aus dem Straßenbild, Proteste und Repression der Opposition sind Stichworte, die in diesem Zusammenhang genannt werden müssen. Die zahlreichen, teilweise gewalttätigen Proteste im Vorfeld der WM 2014 zeigen die Relevanz der Problematik deutlich auf.

 

Im Themenkomplex Fußball ist aus der Sicht des Fairen Handels die Produktion der Fußbälle besonders interessant: Die Spieltauglichkeit des Balls für die WM 2014 in Brasilien („Brazuca“), geliefert vom deutschen Sportartikelhersteller Adidas, wurde (für alle Positionen auf dem Platz) über einen Zeitraum von zwei Jahren von 600 Spitzenspielern aus der ganzen Welt, bei unterschiedlichen Wetter- und Höhenbedingungen, getestet. Hergestellt wurde Brazuca allerdings in einer Fabrik in der südchinesischen Stadt Shenzhen; also an einem Ort, an dem die Lohn- und Sozialkosten niedrig sind. Während sich in den letzten Jahren China und Thailand auf (auch billige) maschinell genähte und geklebte Bälle spezialisiert haben, ist für gute handgenähte Bälle Pakistan immer noch wichtigstes Herstellungsland. Die meisten davon stammen aus der Stadt Sialkot, im Nordosten Pakistans, an der Grenze zu Indien. Bis vor einigen Jahren nähten zehntausende pakistanische Ballnäher rund 40 Millionen Bälle pro Jahr. Da die Löhne in Pakistan oft weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen und die Bälle nach Stück bezahlt werden, waren und sind viele pakistanische Familien auf die Mitarbeit ihrer Kinder angewiesen. Bilder von Fußball nähenden Kindern, anhaltende Diskussionen und der öffentliche Druck auf die Markenartikelhersteller wie Nike, Adidas oder Puma führten 1997 zum „Atlanta Agreement“. Diese Vereinbarung zwischen Sportartikelherstellern, der Handelskammer von Sialkot, der Internationalen Arbeitsorganisation und dem Kinderhilfswerk UNICEF sah ein Verbot der Kinderarbeit in der Fußballproduktion vor. Seitdem ist das Nähen der Bälle in Heimarbeit verboten und aus den Dörfern in große Nähzentren verlegt, da diese besser überprüft werden können. Trotzdem herrschen nach Angaben von Robert Weber von BAD BOYZ in großen Teilen der Sportballindustrie in Pakistan in vielen Produktionsstätten noch mittelalterliche Arbeitsplatzbedingungen (z.B. keine WC-Anlagen, witterungsungeschützte Freiluftarbeitsplätze, überfüllte Räumlichkeiten). Auch ist die Kinderarbeit nicht dadurch abgeschafft, dass die Kinder aus Fabriken ausgeschlossen werden. Da die Familien überleben müssen, arbeiten sie woanders, wie in Ziegeleien oder in der Metallverarbeitung. Das Problem in Pakistan (und anderen Ländern) sind nach wie vor die zu geringen Löhne, die die Erwachsenen in Ballfabriken oder Nähzentren bekommen. Diese liegen oft weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn, der zusätzlich oftmals willkürlich festgelegt wird und zudem nicht existenzsichernd ist.

 

Jahresthema 2017: Rohstoffe

Die Begehrlichkeiten am Öl, am “schwarzen Gold“, waren schon oft zumindest ein Grund, warum es zu Kriegen kam. Weniger bekannt sind andere Kriege um Rohstoffe. Selbst um Metalle, die für Handys und Computer unentbehrlich sind, wird heute erbittert gekämpft. Wir verkaufen in unserem Weltladen zwar keine Autos oder Handys, aber andere Rohstoffe wie Kakao oder Kaffee (und ihr Handel) sind Gründe für die Entstehung der Weltladenbewegung.

 

In unserer Bibliothek finden Sie Literatur zum vielfältigen Thema Rohstoffe. Eine von uns zusammengestellte Auswahl finden Sie hier (Literaturliste Rohstoffe).

 

Jahresthema 2016: Migration und Flucht

Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Das Spektrum der individuellen Flucht- oder Migrationsursachen ist sehr komplex. Menschen fliehen vor gewaltsamen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen oder/und politischer, ethnischer und religiöser Verfolgung. Aber auch wirtschaftliche Faktoren bewegen Menschen dazu ihre Heimatländer zu verlassen, weil sie sich in einem Land wie Deutschland neue Lebensperspektiven erhoffen. Zwar hat es schon immer Menschen gegeben, die aus den verschiedensten Gründen ihren Wohnort verlassen haben, doch hat das Ausmaß der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen in Europa und die Diskussionen, die rund um das Thema stattfinden, eine neue Dimension erreicht. Diese Darstellung verdeutlicht die bildungspolitische Relevanz von Flucht und Migration und deshalb wollen wir unsere Bildungsveranstaltungen 2016 diesem wichtigen gesellschafts- und sozialpolitischen Thema widmen.


In unserer Bibliothek finden Sie Literatur zum Thema Flucht und Migration. Eine von uns zusammengestellte Auswahl finden Sie hier (Download Literaturliste).

 

Jahresthema 2015: Fairer Handel auf dem Prüfstand
Der Faire Handel ist kein homogener Ansatz, sondern beinhaltet verschiedene Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen. Insbesondere die beiden Wege der Produktzertifizierung durch Fairtrade einerseits und der „integrierten Lieferkette“ der Fair-Handels-Organisationen andererseits, prägen die Gegenwart der Fair-Handels-Bewegung. Was macht die besondere Qualität der „integrierten Lieferkette“ aus? Wofür stehen die 100% Fair-Händler? Macht es für die ProduzentInnen einen Unterschied? Wie können wir den Anspruch „100%“ fair zu sein, einhalten? Wie entwickeln sich Fair-Handels-Organisationen? Und wo sehen Weltladen-Aktive ihre Rolle und Aufgabe? Um Antworten auf diese Fragen zu geben, hatte sich der Weltladen Unterwegs 2015 Fairer Handel auf dem Prüfstand zum Thema gemacht und verschiedene Veranstaltungen dazu angeboten.

 

Jahresthema 2014: Brasilien
Im Jahr 2014 hat der Weltladen Unterwegs sich anlässlich der in Brasilien stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas gewidmet, um über das Land zu informieren und das Profil Brasiliens bei der deutschen Bevölkerung zu schärfen. Der wichtigste Aspekt für uns war hierbei die Frage, was diese Großveranstaltung für die brasilianische Bevölkerung bedeutet. Die Stichworte, die in diesem Kontext zu nennen sind, Zwangsumsiedlung, explodierende Mietpreise, Vertreibung von KleinhändlerInnen und Obdachlosen aus dem Straßenbild, Proteste und Repression der Opposition. Die zahlreichen, teilweise gewalttätigen Proteste im Vorfeld der WM 2014 zeigten die Relevanz der Problematik deutlich auf. Besonders im Fokus standen die sozio-politischen Probleme des Landes wie die Situation der indigenen Bevölkerung, der KleinbäuerInnen und Landlosen. Wir haben uns dem Thema Brasilien auf verschiedenen Wegen genähert.