+++  Lesung mit Mirjam Reininger "Unterwegs in der Welt"  +++     
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AlleWeltKino

Seit Januar 1993 zeigt das AlleWeltKino (AWK) in Mainz Spielfilme aus und über fremde Kulturen, Menschen und Lebenskonzepte. Dabei stehen die halbjährlichen Filmstaffeln jeweils unter einem Rahmenthema. Ein fester Bestandteil für die Gäste der AWK Reihen ist eine kurze Einführung in den Film und die Gelegenheit, sich mit einem/r Gastreferenten/in in einem direkten Nachgespräch zu Filminhalten und Filmproduktion auseinander zu setzen. Der Weltladen Unterwegs gehört seit Beginn 2013 zu den Mitveranstaltern des AWK.

 

Immer montags um 19:30 Uhr im Kino Palatin (Hintere Bleiche 6-8, Mainz).

Eintritt: 4,50 € - ermäßigt: 3,50 €

 

Staffel 2019/II: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…“

 

Die Ideen der Aufklärung und mit ihnen die für uns selbstverständliche Selbstbestimmung des Volkes in einer Demokratie fallen nicht vom Himmel. Sie müssen immer wieder neu erkämpft und erstritten werden, unter den unterschiedlichen historischen Bedingungen und regionalen Gegebenheiten. Haben wir im letzten Halbjahr auf die deutsche Demokratiegeschichte 100 Jahre nach der Gründung der Weimarer Republik geschaut, weiten wir nun wieder den Blick und zeigen internationale Filme, die sich mal unterhaltsam, mal packend diesem großen Thema annehmen.

 

Termine:

 

2. September 2019: Wasser

Großbritannien 1985, Regie: Dick Clement, 93 Min, FSK 12, englische Kinofassung

 

„Freiheit für Cascara“, das kleine Inselchen in der Karibik, das von Gouverneur Baxter Thwaites (Michael Caine in einer Paraderolle) und seiner frustrierten Ehefrau verwaltet wird, verursacht eine veritable Weltkrise dank zweier singender Rebellen, dem Zufallsfund von Wasservorräten und der Beschränktheit der internationalen Politik. Da kann nur noch ein Solidaritätskonzert vor der UN helfen…

Lustvoll zeigt diese britische Komödie, wie der Kolonialismus auch im Ausgang des 20. Jahrhunderts noch fröhliche Urständ feiert. Der Co-Produzent, Ex-Beatle George Harrison, verhilft Eric Clapton und anderen Größen des Showbiz zu einem fulminanten Auftritt. „Ein übersprudelnder Film, der die Weltpolitik lustvoll nass macht – Wertung überdurchschnittlich“ (Lexikon „Filme im Fernsehen“, Hamburg 1990)

 

7. Oktober 2019: Tage des Ruhms

Algerien/Marokko/Frankreich/Belgien 2006, Regie: Rachid Bouchareb, 119 Min., FSK 12, OmU

 

Der algerische Regisseur Rachid Bouchareb erzählt die Geschichte von vier Kolonialsoldaten der französischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg: von ihrer Rekrutierung in Nordafrika bis zu ihren Kämpfen gegen die deutsche Wehrmacht in Italien, der Provence und schließlich in einem abgelegenen elsässischen Dorf bei der Befreiung Frankreichs von der Naziherrschaft. Mit großartigen Schauspielern, die beim Filmfestival in Cannes 2007 kollektiv als beste männliche Hauptdarsteller ausgezeichnet wurden, und bewegenden Bildern über das Kriegsgeschehen erzählt dieser Film am Beispiel seiner vier Protagonisten von der weitgehend vergessenen Beteiligung Zehntausender afrikanischer Soldaten an den brutalen Schlachten entlang der eisigen Fronten des letzten Kriegswinters in Europa. Aufnahmen von französischen Friedhöfen, auf denen afrikanische Gefallene begraben sind, sowie von erbärmlichen Wohnheimen, in denen Veteranen aus dem Maghreb, die in Frankreich geblieben sind, bis in die Gegenwart leben müssen, verweisen auf die Geschichtsvergessenheit in Europa und die bis heute anhaltende Diskriminierung der Kolonialsoldaten in Frankreich.

 

4. November 2019: Los Versos del Olvido

Chile 2017, Regie: Alireza Khatami, 92 Min., FSK -, OmU

Schaufel um Schaufel fliegt die Erde aus dem Loch. Am offenen Grab auf einem alten Friedhof irgendwo in Südamerika. Ein greiser Friedhofsverwalter geht hier gemeinsam mit einem Totengräber seiner gemächlichen Arbeit nach. Diese scheint genauso anachronistisch zu sein, wie das labyrinthische Archiv, wo die Unterlagen über die Verstorbenen lagern, wie die von Hand ausgehobenen Gräber und das Gemüsebeet auf dem Friedhof. Würdevoll erzählt der Totengräber dem Verwalter, was er über den jeweilig zu Bestattenden in Erfahrung gebracht hat: Eine letzte Erinnerung gegen das Vergessen. Der Friedhofsverwalter nimmt die posthumen Angelegenheiten todernst. Auch wenn er selbst keinen einzigen Namen mehr weiß – nicht einmal seinen eigenen. Als Regime-Schergen eines Tages seine Leichenhalle in Beschlag nehmen, um dort hausgemachte Probleme zwischenzulagern und dann eine Leiche zu viel zurückbleibt, sieht sich der eigentlich schon Pensionierte genötigt, eine letzte anständige Bestattung zu organisieren.

 

2. Dezember 2019: Moloch Tropical

Haiti 2009, Regie: Raoul Peck, 106 Min., FSK -, OmU

 

Oberhalb von Port-au-Prince bereitet sich der Präsident Haitis auf einen Staatsakt vor. In der Bergzitadelle Laferrière hat das demokratisch gewählte Staatsoberhaupt seine wichtigsten Mitarbeiter versammelt und zunächst laufen die Vorbereitungen gut – Würdenträger und Staatsgäste aus aller Welt werden erwartet, um die Feierlichkeiten zur 200-jährigen Befreiung vom Sklavenregime zu begehen. Doch in den Morgenstunden des Festtages muss der Präsident entsetzt feststellen, dass in seinem Land über Nacht eine Rebellion ausgebrochen ist. Die ausländischen Gäste sagen reihenweise ab, das Volk fordert den Rücktritt des Präsidenten. Die Lage spitzt sich gefährlich zu, doch selbst als der amerikanische Botschafter Druck auf ihn macht, sein Amt niederzulegen, weigert sich Théogène. „Der Regisseur Raoul Peck präsentiert auf der Berlinale eine schrille Politfarce, die schon vor dem Erdbeben in Haiti fertig war - und dennoch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.“ (Süddeutsche Zeitung)

 

13. Januar 2019: Eine respektable Familie

Iran 2012, Regie: Massoud Bakhshi, 90 Min., FSK 0, OmU

 

Der iranische Wissenschaftler Arash ist nach 20 Jahren im Ausland für einen Lehrauftrag in seine Heimatstadt Shiraz zurückgekehrt. Als er von seinem Neffen Hamed, dem Sohn seines Halbbruders Jafar, erfährt, dass sein Vater, zu dem er seit langem keinen Kontakt mehr hat, im Sterben liegt, lässt er sich widerwillig auf einen Besuch ein. Doch ging es Hamed offenbar weniger darum, Arash mit seinem Vater zu versöhnen, als ihn davon zu überzeugen, der Übertragung eines Vermögens aus dem väterlichen Erbe an seinen Halbbruder Jafar zuzustimmen – wozu er bald mit immer skrupelloseren Methoden aufgefordert wird.
Der Film entfaltet die Vorgeschichte der Ereignisse in Form von Rückblenden und verschränkt die Spielfilmhandlung kunstvoll mit bisher teils unveröffentlichtem Dokumentarfilmmaterial aus der Frühzeit der Iranischen Republik. So entfaltet sich allmählich eine komplexe Familiengeschichte, in der sich die Wirren und Widersprüche der Iranischen Revolution spiegeln.

 

3. Februar 2019: Die Nile-Hilton-Affäre

Dänemark/Schweden/Deutschland 2017, Regie: Tarek Saleh, 111 Min., FSK 12, OmU

 

„Wissen Sie, ich bin ein Kino-Extremist. Wenn es ums Kino geht, werde ich regelrecht religiös. Ich glaube ganz fest ans Kino. Das Genre ist wie ein Vertrag zwischen dem Filmemacher und dem Publikum. Als Künstler benutzt man die Form und die Regeln, um ein Thema zu erforschen. Detektiv-Geschichten, das Krimi-Genre, eignen sich sehr gut, eine Gesellschaft näher zu untersuchen. Bei allen wirklich guten Krimis geht es dann weniger um den Stil oder die Form, sondern eher um moralische Angelegenheiten der Art: ‚Ich schaue mir die Gesellschaft und uns selber genauer an, durch die Augen dieses Ermittlers.‘ Der Polizist ermittelt also gegen das System, in dem er arbeitet. Für mich ist Kairo ein sehr dunkler Ort, wie gemacht für einen Krimi. In der Zeit, in der wir mit diesem Polizisten die Gesellschaft unter die Lupe nehmen, wird es richtig düster, sehr noir.“ (Tarek Saleh in Deutschlandradio Kultur)