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Fünf Fragen zu fairafric

 

Frage 1: Was ist fairafric?

fairafric ist ein soziales Start-up-Unternehmen und Schokoladenhersteller mit Sitz in München. Das Ziel ist es, die Schokoladenproduktion in die Anbauländer des Kakaos zu verlegen, wie z.B. Ghana. fairafric will dadurch mehr Perspektiven und vor allem Arbeitsplätze mit nachhaltigem Einkommen vor Ort schaffen. Im Jahr 2020 beginnt fairafric mit dem Bau einer neuen, solarbetriebenen Schokoladenfabrik in der ländlichen Region Suhum in Ghana. Um die Angelegenheiten rund um die Fabrik vor Ort besser zu bewerkstelligen, wird mit der fairafric Ghana Limited ein Tochterunternehmen gegründet. Dadurch wird die neue Fabrik komplett durch ghanaische Hände geführt.

 

Frage 2: Was unterscheidet fairafric von anderen Schokoherstellern?

In der konventionellen Schokoladenherstellung wird die eigentliche Schokolade im sog. Globalen Norden hergestellt. (Mit dem Globalen Norden sind Länder wie die Mitglieder der Europäischen Union und die USA gemeint.) fairafric hat das geändert und lässt die Schokolade komplett im Ursprungsland Ghana produzieren. Das hat den Vorteil, dass das Geld in der Wertschöpfungskette in Ghana bleibt. Beim konventionellen Produktionsweg liefert das Anbauland mit den Kakaobohnen nur den Rohstoff. Da die Schokolade in Europa oder in den USA hergestellt wird, kommt es dort zur Gewinnmaximierung. Der Produktionsweg von fairafric ist besser, da die Herstellung der Schokolade (Veredelung) komplett vor Ort stattfindet. Dadurch steigert sich der Erlös von 2000 USD (pro Tonne Kakaobohnen) auf über 10000 USD (pro Tonne Schokolade). fairafric zahlt eine Prämie von 600 USD pro Tonne Kakaobohnen, diese Zahlung kommt noch dazu und wird direkt an die Bauern ausbezahlt.

 

Frage 3: Was macht die Produkte besonders fair?

Neben der Herstellung im Ursprungsland, wird bei fairafric besonders bei der Produktion auf Fairness geachtet: Die ArbeiterInnen haben eine 36 Stundenwoche (4 Tage, 9 Stunden); dazu werden Wochenendarbeiten und Überstunden extra bezahlt. Es gibt ein dreizehntes Monatsgehalt sowie eine Betriebsrente und kostenlose Gesundheitsversorgung. In der Fabrik wird Schutzkleidung und medizinische Erstversorgung zur Verfügung gestellt; die Produktionshallen sind klimatisiert.

 

Frage 4: Welche Herausforderungen gab und gibt es beim Aufbau des Unternehmens?

Als erstes galt es herauszufinden, ob sich überhaupt Leute für die Schokolade „Made in Ghana“ interessieren. Das ist schwierig, da man den Menschen in Deutschland erklären muss, warum sie einen Preis von drei Euro pro Tafel zahlen sollen. Die zweite Herausforderung war die Finanzierung. fairafric wird noch über Kickstarter finanziert. (Kickstarter ist eine Plattform auf der Projekte vorgestellt und Spenden gesammelt werden.) Eine weitere Herausforderung ist es die Standards der Europäischen Union und der einzelnen Länder einzuhalten. Europaweit und in Deutschland gibt es klare Vorgaben an das Produkt und seine Verpackung. Herausforderungen gibt es auch in Ghana, wie z. B. eine mangelhafte Infrastruktur. So kommt es häufiger zu Stromversorgungsengpässen in den Produktionsstätten. fairafric baut gerade eine eigene Fabrik in Ghana. Dort ist die Herausforderung alles richtig zu machen und auch die kleineren Aufgaben zu bedenken. So wird die gesamte Fabrik mit Solarenergie betrieben werden.

 

Frage 5: Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

fairafric hat seit dem Beginn auf eine vertrauensvolle und funktionierende Zusammenarbeit zwischen dem Team in München und dem Team in Ghana geachtet. Beide Teams können daher auch unabhängig voneinander arbeiten, stimmen sich aber bei großen Entscheidungen wie Kosten oder Investment ab. Eine Begegnung und Partnerschaft auf Augenhöhe ist die Voraussetzung, um etwas Gemeinsames zu schaffen.

Frage 6: Welche Perspektive werden für die Menschen konkret vor Ort geschaffen?

Fakt ist, dass fairafric mit dem Bau ihrer Fabrik mehr Arbeitsplätze in die Region bringt. Dadurch wird der Lebensstandard der Menschen vor Ort erhöht. Der Staat profitiert durch höhere Steuereinnahmen (Gewerbeeinnahmen). Die MitarbeiterInnen werden besser bezahlt und können dadurch mehr Geld ausgeben. Das wirkt sich auch positiv auf die Kinder aus, da sie z.B. zur Schule gehen können und nicht arbeiten gehen müssen. In der Fabrik wird es eine Mensa geben, die Lebensmittel aus der Umgebung anbietet. Dadurch profitieren auch Menschen direkt, die nicht bei fairafric arbeiten, wie die lokalen KleinbäuerInnen.

 

(Zusammengestellt im Rahmen eines Schulpraktikums von Aaron Müller, 15 Jahre, Schüler BMS Ingelheim)

 

Quellen:

 

Homepager von fairafric: https://fairafric.com/de/

 

Interview Lisa Sauer mit Charlotte Knull online unter: https://www.youtube.com/watch?v=xkYpRnGHkW0

(Eigentlich als Abendveranstaltung geplant, wurde das Projekt als digitales Interview durchgeführt. Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Heinrich Böll Stiftung RLP. Das Projekt Flucht, Migration und Fairer Handel wird gefördert durch das MDI RLP und MFFJIV RLP.)