Corona und die Langzeitfolgen für den Fairen Handel

Die immer noch andauernde Corona-Krise macht die Schwächen in den globalen Handelsketten deutlich und verstärkt sie. In einem Wirtschaftssystem, das auf Profitmaximierung ausgelegt ist, sind es die Menschen am Anfang der Lieferketten, die dies am meisten spüren. Dies äußerte sich gerade zu Beginn der Krise durch Drücken der Preise und/oder Stornierungen vonseiten der Auftraggeber.

Der Faire Handel hält dagegen! Die Fair-Handels-Akteure halten an ihren Zusagen fest und stehen den Handelspartner*innen wie vereinbart zur Seite. Allerdings haben die Handelspartner*innen als direkte oder indirekte Folge der Pandemie Einkommenseinbußen und höhere Kosten, unter anderem durch Erkrankungen, Lockdowns, Hygienemaßnahmen sowie gestiegene Kosten für Lebensmittel und Rohstoffe. Daher erhalten sie für ihre Produkte höhere Preise, was sich auf die Kosten und die Preiskalkulation der Fair-Handels-Importeure auswirkt. Zusätzlich haben sich die Frachtkosten, insbesondere aus Asien, massiv erhöht, zum Teil verzehnfacht. Die gleichzeitige Knappheit von Seecontainern und doppelte bis dreifache Seefrachtlaufzeiten führen auch im Fairen Handel zu massiven Störungen der Lieferketten. So sind Buchungen von Transportplätzen auf den Containerschiffen momentan ausschließlich mit hohen Aufschlägen möglich.

Fair-Handels-Importeure haben, im Gegensatz zum konventionellen Handel, Bestellungen weder im Preis gedrückt noch storniert. In den letzten Monaten wurde abgewartet, ob sich diese stetig steigenden Preiserhöhungen bei Frachten und Rohstoffen wieder abschwächen würden. Die Situation hat sich aber im Gegenteil weiter verschärft. Daher müssen die Fair-Handels-Importeure zumindest einen Teil ihrer gestiegenen Kosten weitergeben, um die Waren nicht mit Verlust zu verkaufen. Viele Weltladen-Lieferanten haben daher zu Beginn des neuen Jahres ihre Preise erhöht. Die Weltläden (als Non-Profit-Unternehmen) können diese Preiserhöhungen nicht alleine auffangen und haben die Preise für viele Lebensmittel (wie Kaffee) ebenfalls erhöht.

Beispiel Kaffee

Nicht nur die Pandemie, sondern auch Ernteausfälle aufgrund des Klimawandels führen zu höheren Preisen für Rohkaffee. Dazu kommen höhere Kosten für Verpackungs- und Transportkosten sowie gestiegene Verarbeitungskosten in Deutschland, im Wesentlichen getrieben von höheren Energie- und Personalkosten.

Transparenz ist ein Grundsatz der Weltläden. Daher erläutern wir die leider übernotwendigen Preiserhöhungen, die auch im konventionellen Handel stattfinden, ausführlich. Die wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt hat sich seit Ausbreitung der Pandemie verändert und hat auch starke Auswirkungen auf die Arbeit im Fairen Handel.

Der Weg zu gerechten globalen Handelsstrukturen bleibt steinig, zumal die Corona-Krise die ausbeuterischen Mechanismen entlang globaler Lieferketten sogar zum Teil verstärkt. Sie hat drastisch offenbart, dass viele konventionelle Lieferketten nicht krisenfest, geschweige denn nachhaltig sind. Der Faire Handel stellt Mensch und Natur in den Vordergrund und lässt seine Partner*innen, gerade in der Krise, nicht im Stich. Von daher lassen Sie uns alle gemeinsam weiterhin vom Fairen Handel profitieren.

Herzlichen Dank dafür und für Ihr Verständnis für die notwendigen Preiserhöhungen!

 

Quellen:

https://www.weltladen.de/aktuelles-fuer-weltlaeden/preiserhoehungen-der-anerkannten-lieferanten/?suche=preiserh%C3%B6

Anschreiben der Fair-Handels-Importeure GEPA und WeltPartner an die Weltläden

(zusammengestellt von Julian Schroeder)

Autor*in:
Julian Schroeder
Datum:
4.1.2022

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