Produkt des Monats Oktober 2021: Rote Linsen aus dem Libanon

Am 4. August 2020 legte eine verheerende Explosion halb Beirut in Trümmer. Dabei wurden mindestens 207 Menschen getötet, mehr als 6.500 verletzt. Mehr als 300.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der krisengeschüttelte Libanon erlebt seitdem die schwerste Zeit seit dem Ende des Bürgerkrieges!

Fairer Handel wirkt!

Die Explosion löste eine große Unterstützungskampagne aus, bei der u.a. Handelspartner neue Aufträge erteilten und öffentliche Spendensammlungen organisierten. Ende September 2020 schrieb Phillipe Adaime, Geschäftsführer von FairTrade Lebanon an EZA, den österreichischen Handelspartner: „Was wir am meisten brauchen, ist Handel. Handel statt Hilfe. Hilfe ist entscheidend, aber sie endet schnell. Was den Handel betrifft, so kann er ein angemessenes Einkommen sichern und die Menschen in ihren Heimatstädten ernähren.“ Fairer Handel ist gelebte Solidarität; er unterstützt auch in allergrößten Katastrophen die Produzenten und Handelsparter. Fairer Handel schafft es im Libanon Perspektiven für die Menschen zu entwickeln, Armut zu vermindern und der Landflucht entgegenzuwirken.

Fair Trade Lebanon

Fair Trade Lebanon wurde 2006 gegründet und ist mittlerweile das größte Fair-Handels-Unternehmen des Libanon. Es berät die Produzenten, fördert Anbau und Qualität und vermarktet die Produkte. Fair Trade Lebanon organisiert auch den Export und koordiniert die Weiterverarbeitung der Produkte. Damit bleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung im Ursprungsland und sorgt dort für Arbeit und Einkommen.

Ein großes Netzwerk

Fair Trade Lebanon arbeitet inzwischen mit 32 Kooperativen, Familienbetrieben und Kleinstunternehmen aus allen Teilen des Landes zusammen. Fast 900 Personen profitieren inzwischen direkt von der Zusammenarbeit. Die roten Linsen werden von Mitgliedern der Ersal Kooperative in der Bekaa-Region angebaut und in der Fourszol Kooperative, einer Gruppe von 13 Frauen, abgefüllt. Durch den Fairen Handel gewinnen so auch Frauenkooperativen und Kleinproduzenten ein tragfähiges Wirtschaftsmodell.

Autor*in:
Ulrike Rogowski
Datum:
6.10.2021

Das könnte sie auch interessieren:

Produkt des Monats Juli: Grillsaucen aus Südafrika

Rain Morgan, einer der beiden Gründer von „Turqle Trading“ ist zuversichtlich: „Der lokale Markt ist neben dem Export der Produkte die Zukunft. Das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses Thema wächst langsam, und der Faire Handel wird auch in Südafrika bekannter. Für viele Produzentenorganisationen liegen hier echte Chancen. Wir wollen, dass nicht nur die Europäer und die Touristen in den Shops unsere Produkte kaufen, sondern dass auch immer mehr Südafrikaner den Fairen Handel unterstützen.“

Jahresthema 2021 Teil 2: Themenschwerpunkt "Flucht, Migration und der Faire Handel"

Die Bildungsarbeit des Weltladens Unterwegs und seinem Trägerverein "Unterwegs für eine gerechte Welt" hat nebem dem jährlich wechselnden Schwerpunkt seit dem Jahr 2016 mit dem Projekt "Flucht,Migration und der Faire Handel" einen weiteren festen Themenbereich.

„Ich möchte erfahren, wie diese Gesellschaft denkt“ | Interview mit Ismaeil Alhasan

Ismaeil Alhasan ist 48 Jahre alt und kam 2016 nach Deutschland. Seitdem lebt er in Mainz. Über die Ökumenische Flüchtlingshilfe Oberstadt (ÖFO e.V.) ist er auf die entwicklungspolitische Arbeit im Weltladen aufmerksam geworden. Nun absolviert er seit Oktober 2019 ein Praktikum im Trägerverein des Weltladens Mainz (Unterwegs für eine gerechte Welt e.V.) und unterstützt die Projektstelle Flucht, Migration und Fairer Handel. Ich habe Ismaeil einige Fragen zu seiner persönlichen Situation gestellt.